TRIGEMA: Ein deutsches Unternehmen zwischen Tradition, Haltung und Wandel

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Industrielle Nähmaschine mit Garnrolle in einer deutschen Textilfabrik, im Hintergrund gestapelte weiße Shirts – Sinnbild für Inlandsproduktion und Made in Germany

Während fast die gesamte deutsche Textilbranche ihre Nähereien nach Asien verlagert hat, produziert TRIGEMA bis heute ausschließlich in Deutschland. Seit 2024 führt die vierte Generation das Familienunternehmen – und muss beweisen, dass „Made in Germany“ mehr ist als ein teures Bekenntnis.

Auf einen Blick

  • 1919 – Gründungsjahr, Stammsitz Burladingen (Schwäbische Alb)
  • seit 2024 – vierte Generation an der Spitze: Bonita und Wolfgang Grupp jr.
  • rund 1.200 – Beschäftigte, vollständig in Deutschland
  • 44 – eigene Filialen (Stand 2022)
  • 100 % – Fertigung im Inland, gegen den Branchentrend

Quellen: TextilWirtschaft, Wikipedia (TRIGEMA). Stand: Juli 2026.

In Burladingen auf der Schwäbischen Alb steht eine unternehmerische Ausnahme. TRIGEMA, gegründet 1919, näht T-Shirts, Poloshirts und Basics dort, wo fast niemand mehr näht: in Deutschland. Kein Zulieferer in Bangladesch, keine ausgelagerte Fertigung in der Türkei. Was jahrzehntelang wie ein sentimentaler Sonderweg wirkte, ist heute eine Fallstudie – für die Frage, ob konsequente Inlandsproduktion in einer globalisierten Branche überhaupt überlebensfähig ist.

Ein Bekenntnis, das Geld kostet

Die Rechnung ist unbequem. Ein in Deutschland genähtes T-Shirt trägt Lohnkosten, gegen die eine Fertigung in Asien um ein Vielfaches günstiger produziert. TRIGEMA gleicht das nicht durch Größe aus, sondern durch Kontrolle: kurze Wege, eigene Produktion, direkte Verantwortung für jeden Schritt der Wertschöpfungskette. Der Preis dafür ist eine strukturell dünnere Marge als bei Wettbewerbern, die im Niedriglohnland fertigen lassen. Der Gegenwert ist Unabhängigkeit von fragilen Lieferketten – ein Vorteil, der spätestens seit den Störungen der Corona-Jahre wieder ein messbarer Wert ist.

Die Marke war jahrzehntelang ein Mann

Öffentlich stand TRIGEMA lange für eine Person: Wolfgang Grupp, der das Unternehmen 54 Jahre führte und mit seinem Bekenntnis zu deutschen Arbeitsplätzen zur Marke selbst wurde. Genau darin lag die Herausforderung der Übergabe. Anfang 2024 ging die Führung an die vierte Generation, an Bonita und Wolfgang Grupp jr. Ein Familienunternehmen, das so eng mit einer einzigen Figur verknüpft war, muss seine Identität neu erzählen, ohne sie zu verraten – eine Aufgabe, an der schon größere Marken gescheitert sind, wie das Spannungsfeld zwischen Gründerfigur und Institution immer wieder zeigt.

Was das Beispiel wert ist

TRIGEMA taugt weder zum Denkmal noch zur Blaupause. Nicht jedes Geschäftsmodell verträgt Inlandsproduktion, und Haltung allein hat noch kein Unternehmen gerettet. Aber der Fall zeigt, dass eine klare, teuer erkaufte Positionierung ein belastbarer Wettbewerbsvorteil sein kann – wenn sie konsequent gelebt und nicht nur beworben wird. Wie die TextilWirtschaft zur Nachfolge festhielt, entscheidet sich die Zukunft des Unternehmens jetzt an der nüchternen Frage, ob die vierte Generation Tradition in Wachstum übersetzen kann. Made in Germany ist kein Selbstläufer. Es ist eine Wette – und TRIGEMA erneuert sie gerade.

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