Junge Gründer: Warum die Gen Z anders gründet als jede Generation vor ihr

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Junge Gründer: junger Unternehmer der Gen Z im Co-Working-Space bei Sonnenaufgang mit Wachstumskurve

Junge Gründer prägen Deutschlands Gründungsgeschehen wie nie zuvor: 40 Prozent aller Gründerinnen und Gründer waren 2025 jünger als 30 Jahre. Die Generation Z gründet dabei nicht einfach früher als ihre Vorgänger – sie gründet digital, häufig im Nebenerwerb und mit Künstlicher Intelligenz als Werkzeug. Der Rekord hat allerdings eine zweite, unbequemere Seite.

Auf einen Blick

  • 40 Prozent der Gründerinnen und Gründer 2025 waren jünger als 30 Jahre – Rekordniveau (2002: 30 Prozent)
  • 34,2 Jahre Durchschnittsalter der Gründer – erneut niedriger als im Vorjahr (34,4)
  • 690.000 Existenzgründungen 2025, davon 483.000 im Nebenerwerb
  • 3.568 Startup-Neugründungen 2025 – Rekord, plus 29 Prozent gegenüber 2024
  • 27 Prozent der neuen Startups nutzen KI als zentralen Bestandteil des Geschäftsmodells (2024: 18 Prozent)

Quellen: KfW-Gründungsmonitor 2026 (Mai 2026), Startup-Verband: Next Generation Report (Januar 2026). Stand: Juli 2026.

Frankfurt am Main, 19. Mai 2026. KfW-Chefvolkswirt Dirk Schumacher stellt im Pressegespräch den neuen Gründungsmonitor vor, die größte Erhebung ihrer Art in Deutschland: 50.000 Interviews, repräsentativ, telefonisch und online geführt. Eine Zahl überstrahlt an diesem Vormittag alle anderen. Das Durchschnittsalter der deutschen Gründerinnen und Gründer lag 2025 bei 34,2 Jahren – noch einmal niedriger als im Vorjahr. Deutschlands Gründerlandschaft verjüngt sich weiter. Und sie tut es strukturell.

Der Befund ist mehr als eine demografische Fußnote. Wer verstehen will, wohin sich Unternehmertum in Deutschland entwickelt, muss auf die Jüngsten schauen: auf ihre Geschäftsmodelle, ihre Risikologik, ihre Werkzeuge. Die Generation Z gründet nach anderen Regeln als Babyboomer oder Millennials – nach bisherigen Daten sogar deutlicher anders, als der Rekordwert von 40 Prozent allein vermuten lässt.

Vierzig Prozent unter 30: Was junge Gründer im Monitor ausmachen

Laut KfW-Gründungsmonitor 2026 waren 40 Prozent der Gründerinnen und Gründer des Jahres 2025 jünger als 30 Jahre – gleichauf mit dem Rekordwert von 2024. Zum Vergleich: 2002 lag der Anteil bei 30 Prozent, 2020 bei 32 Prozent. Mehr als ein Fünftel der jungen Gründer startete direkt aus dem Studium heraus. Insgesamt zählte die Förderbank 690.000 Existenzgründungen, nach 585.000 im Jahr zuvor – ein Plus von rund 18 Prozent.

Der Zuwachs hat eine klare Quelle. 483.000 Gründungen entfielen auf den Nebenerwerb, gut 100.000 mehr als 2024. Die Zahl der Vollerwerbsgründungen stagnierte dagegen bei 206.000. Wer den Jugendrekord feiert, muss diese Struktur mitdenken: Ein erheblicher Teil der neuen Selbstständigkeit entsteht neben Job oder Hörsaal – nicht als Sprung ins volle Risiko.

Auch die Neigung zur Selbstständigkeit ist bei den Jüngeren am stärksten ausgeprägt. 36 Prozent der Befragten unter 30 wären laut KfW lieber selbstständig als angestellt – mehr als in jeder anderen Alterskohorte und deutlich über dem Bevölkerungsschnitt von 26 Prozent.

Digital im Standard, KI im Werkzeugkasten

Wie diese Generation gründet, zeigt der Blick auf die Geschäftsmodelle. 44 Prozent aller Existenzgründungen des Jahres 2025 bauten laut KfW auf digitale Angebote – ein Rekordwert, nach 36 Prozent im Vorjahr. Bei den wachstumsorientierten Startups ist die Verschiebung noch schärfer: Der Startup-Verband zählte in seinem Next-Generation-Report vom Januar 2026 exakt 3.568 Neugründungen für 2025. Das ist ein Plus von 29 Prozent gegenüber dem Vorjahr und mehr als im bisherigen Rekordjahr 2021. 27 Prozent dieser Startups nutzen KI als wichtigen Bestandteil ihres Geschäftsmodells; 2024 waren es 18 Prozent.

Geografisch verschiebt sich das Zentrum. München kommt laut Startup-Verband auf 19,3 Neugründungen je 100.000 Einwohner, Berlin auf 16,8. Die Hochschul- und Forschungsstandorte gewinnen – ein Hinweis darauf, wo die Pipeline dieser Generation tatsächlich beginnt.

Zwei Fälle zeigen das Muster. In Berlin baute das Team um CEO Nono Konopka mit Lanch ein Foodtech auf, das Marken von Creators in Lieferrestaurants übersetzt: Die Pizzamarke Happy Slice der YouTuber Knossi und Trymacs startete im Juni 2023 über Nacht an 70 Standorten. Im Februar 2025 sammelte Lanch nach Angaben von Business Insider 26 Millionen Euro in einer Series A ein, angeführt von Felix Capital und HV Capital. Ein Geschäftsmodell, das ohne die Creator-Ökonomie, in der diese Gründergeneration aufgewachsen ist, kaum denkbar wäre.

In München wiederum gründete ein Team aus dem Umfeld von TU München und CDTM 2021 das Industriesoftware-Startup Tanso – einen Monat nach Gründung standen bereits 1,6 Millionen Euro Pre-Seed-Kapital bereit, später folgte eine Series A über 12 Millionen Euro. Universitäre Ökosysteme wie dieses sind der Ort, an dem aus dem statistischen Jugendtrend konkrete Unternehmen werden.

„Einerseits nehmen vor allem viele junge Menschen über die Medien erfolgreiche Gründer wahr […] Andererseits wird in Deutschland im Vergleich zu früher viel weniger gegründet.“

Dr. Dirk Schumacher, Chefvolkswirt der KfW

Der Einwand: Der typische Startup-Gründer ist 37, nicht 23

So eindrucksvoll die Zahlen sind – die Gegenrechnung verdient denselben Ernst. Der Deutsche Startup Monitor 2025, für den der Startup-Verband knapp 2.000 Gründerinnen und Gründer befragt hat, beziffert das Durchschnittsalter im Startup-Sektor auf 37,7 Jahre. Nur rund ein Viertel der Befragten ist jünger als 30, und 87 Prozent haben einen Hochschulabschluss. Wer vom wachstumsorientierten Startup spricht, spricht also weiterhin überwiegend über Endzwanziger bis Mittvierziger mit akademischem Lebenslauf.

Hinzu kommt die lange Linie. 2002 zählte die KfW noch rund 1,5 Millionen Existenzgründungen pro Jahr, heute ist es weniger als die Hälfte. Anfang der Nullerjahre zog zudem die Hälfte der Unter-30-Jährigen die Selbstständigkeit einem Angestelltenverhältnis vor – heute sind es 36 Prozent. Der Jugendrekord ist damit auch das Ergebnis einer geschrumpften Basis: Junge Menschen stellen einen größeren Anteil an einem insgesamt deutlich kleineren Gründungsgeschehen. Genau darauf verweist Schumacher, wenn er fehlende Rollenvorbilder im direkten Umfeld beklagt.

Beide Lesarten stimmen – und widersprechen sich weniger, als es scheint. Die breite KfW-Definition erfasst die Basis der Pyramide: Nebenerwerb, Freiberufler, kleine digitale Modelle. Genau dort senkt die Digitalisierung die Einstiegskosten, und genau dort probiert die Generation Z Unternehmertum aus, bevor sie das volle Risiko nimmt. Der Nebenerwerb ist weniger Gegenargument als Einstiegsrampe. Ob daraus Substanz wird, entscheidet sich beim Übergang: vom Side Hustle zum Vollerwerb, vom Studierendenprojekt zum finanzierten Startup. Nach bisherigen Daten gelingt dieser Sprung einer Minderheit. Aber die Rampe ist so voll wie lange nicht.

Was aus dem Jugendrekord werden muss

Schumacher selbst verweist auf eine Lücke, die im Jubel leicht untergeht: Das Durchschnittsalter der Unternehmerinnen und Unternehmer in Deutschland liegt bei über 54 Jahren, viele suchen händeringend Nachfolger. Nur 14 Prozent der Gründungen 2025 bauten auf bestehenden Unternehmen auf. Für eine Generation, die Risiken dosiert eingeht, wäre die Übernahme eines funktionierenden Betriebs eigentlich die logische Abkürzung. Gelebt wird sie bisher kaum.

Für den Standort hängt viel davon ab, ob aus dem demografischen Signal ökonomische Substanz wird. Die Zutaten sind vorhanden: Rekordzahlen bei Startup-Neugründungen, KI-Werkzeuge, die Produktentwicklung verbilligen, Hochschul-Ökosysteme, die liefern. Was fehlt, ist der Durchlauf nach oben – mehr Vollerwerb, mehr Wachstumskapital, mehr Übernahmen. Die Generation Z hat das Gründen als Trainingsdisziplin für sich entdeckt: Sie startet früh, klein und diszipliniert. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob der Standort ihr auch den Aufstieg in die Königsklasse ermöglicht. Stand Juli 2026 spricht die Richtung der Daten dafür – ihr Niveau noch nicht.

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